Im Interview berichtet Claudine Krause über das Projekt JugendNotmail, welches mit seiner Online-Plattform schon mehr als 13.000 Jugendlichen anonym helfen konnte.

Wir freuen uns sehr unsere neue Kategorie „Im Interview“ mit Bundesverdienstkreuz-Trägerin Claudine Krause (Gründerin und 1. Vorsitzende des Vereins jungundjetzt e.V.) beginnen zu können. Auf der Webseite der JugendNotmail können sich Jugendliche in Notsituationen Hilfe von professionellen Beratern holen – und dabei völlig anonym bleiben.

Was fasziniert Sie ganz persönlich an der Idee der JugendNotmail?

jugendnotmail-claudinekrauseClaudine Krause: Aufgrund meiner eigenen schwierigen Kindheit habe ich mich schon früh für andere Kinder mit Problemen eingesetzt. In meiner Zeit als Grundschullehrerin habe ich immer wieder berührende Schicksale mitbekommen und gemerkt, dass viele Kinder oft keinen Ansprechpartner in ihrem Umfeld haben, dem sie sich anvertrauen können. Damals hielt das Internet gerade Einzug in die Kinderzimmer. Ich war mir sicher, dass sich das Kommunikationsverhalten der Jugendlichen dadurch nachhaltig ändern wird und habe ein Konzept für die Online-Beratung JugendNotmail entwickelt. Mich fasziniert bis heute, dass sich so viele junge Menschen niederschwellig und anonym über das Internet Hilfe holen können.

In welchen Notsituationen wenden sich die Jugendlichen an Sie?

Claudine Krause: Die häufigsten Themen sind Selbstverletzung, Depression, auch familiäre Probleme und Suizidankündigungen. Wir sind dazu da, Präventivarbeit zu leisten, also da Druck abzubauen, wo sich die Jugendlichen unwohl fühlen, und gemeinsam Lösungen zu erarbeiten, damit sie sich selbst helfen können. Es gibt aber auch viele Fälle, die schwierig sind, und wo eine Therapie notwendig ist.

Wie genau läuft der Kontakt mit den Online-Beratern und den Jugendlichen dann ab? Gibt es eine verschlüsselte Plattform?

Claudine Krause: Die Jugendlichen wollen immer sofort Hilfe, wenn sie sich melden. Unser Ziel ist es, innerhalb von 24 Stunden Kontakt aufzunehmen. Die Einzelberatung erfolgt dann auf unserer Sicherheitsplattform, die ein SSL-Zertifikat hat wie beim Online-Banking. Unsere Online-Berater sind über ihre Nicknames eingeloggt, sie treten namentlich nicht in Erscheinung. Wenn beide Seiten anonym bleiben, fällt es den Jugendlichen leichter, sich zu öffnen und über ihre Probleme zu sprechen.

Wie helfen die Online-Berater zum Beispiel bei Depression?

Claudine Krause: Für uns steht an erster Stelle, die Jugendlichen aus ihrer Notsituation zu befreien, unsere geschulte Beratung leistet keine Therapie. Wir geben den jungen Menschen Hilfe zur Selbsthilfe und unterstützen sie dabei, sich z.B. einen Therapieplatz, also Hilfe vor Ort zu suchen.

Wie kann ich mich selbst einbringen um die Organisation zu unterstützen?

Claudine Krause: Wir sind stets auf der Suche nach ehrenamtlichen Beratern, die einen sozialpädagogischen Abschluss oder ein psychologisches Studium absolviert haben. Denn bei Fällen von Depressionen, Borderline oder Essstörung müssen Profis ran. Zu Beginn absolvieren die Berater hier bei uns in Wannsee einen Workshop, in dem sie lernen, wie unsere Beratung funktioniert. Ab dann arbeiten sie ehrenamtlich von zu Hause aus und wenden pro Woche rund drei bis vier Stunden Zeit auf.

Sie können aber auch einfach eine Fördermitgliedschaft abschließen. Diese ist bereits ab 5 Euro im Monat möglich. Und auch jede noch so kleine Spende zeigt dank des hohen ehrenamtlichen Engagements unserer Mitarbeiter große Wirkung.

Wie stellt die JugendNotmail sicher, dass die Spendengelder auch wirklich ankommen?

Claudine Krause: Alle Spendengelder fließen in die Vereinsarbeit für JugendNotmail und kommen so jungen Menschen in seelischer Not direkt zu gute. Unsere psychologischen Online-Berater und Mitarbeiter im Büro arbeiten größtenteils ehrenamtlich und erbringen ihre Leistungen kostenlos.

Die Berater arbeiten von zu Hause aus, die Mitarbeiter für Sekretariat, Beraterkoordination, Buchhaltung, Marketing und Öffentlichkeitsarbeit kommen in unser Büro in Berlin-Wannsee. Trotz des ehrenamtlichen Einsatzes unserer engagierten Mitarbeiter haben wir regelmäßige Kosten z.B. für Büromiete, Systemadministration oder die Fortbildung der Online-Berater. Auf unserer Website stellen wir unsere aktuellen Einnahmen und Ausgaben öffentlich zur Einsicht. Zudem werden alle projektbezogenen Gelder im Rechenschaftsbericht dargestellt.

Wie sind die Pläne für die Zukunft?

Claudine Krause: Das Beratungsangebot von JugendNotmail wird von ehrenamtlichen Mitarbeitern deutschlandweit umgesetzt. Diese logistische Begebenheit wollen wir künftig nutzen, um weitere Standorte von JugendNotmail auch in anderen Bundesländern zu etablieren. So können wir besser Kontakt zu unseren Online-Beratern pflegen und Fortbildungsangebote vor Ort anbieten.

Vielen Dank an dieser Stelle nocheinmal an Claudia Krause und den Verein jungundjetzt e.V. für das interessante Interview und die freundliche Unterstützung!

 

Wir selbst sind übrigens über www.betterplace.org auf die JugendNothilfe aufmerksam geworden. Hier könnt ihr auch direkt und unkompliziert einmalige Spenden tätigen. Und eine Spendenquittung gibt es natürlich auch.

edit am 25.07.2016: Selbstverständlich hat JugendNotmail schon mehr als 13.000 Jugendlichen anonym geholfen, nicht 1.300, wie wir erst geschrieben hatten.

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